Was ein alter Sonderdruck aus dem Jahr 1954 über Einkorn, Emmer und die Geschichte unseres Brotes verrät
Manchmal entstehen die schönsten Geschichten eher zufällig.
Vor einigen Wochen war ich wieder einmal auf der Suche nach altem Wissen über Urgetreide.
Nicht nach modernen Werbeversprechen. Nicht nach schnellen Internet-Artikeln. Sondern nach echten Quellen. Nach dem Wissen, das irgendwo zwischen alten Büchern, vergessenen Forschungsarbeiten und jahrtausendealten Getreidefunden verborgen liegt.
Dabei stieß ich zufällig auf einen alten wissenschaftlichen Sonderdruck aus dem Jahr 1954 von Elisabeth Schiemann.
Der Titel hat mich sofort interessiert:
„Einkorn im alten Ägypten?“
Natürlich musste ich ihn kaufen.
Denn bisher haben wir die Epoche altes Ägypten und altes Rom eher mit Emmer und Khorasan verbunden.
Als der vergilbte Sonderdruck wenige Tage später bei mir ankam und ich die ersten Seiten las, hatte ich sofort dieses Gefühl, das wahrscheinlich jeder Urgetreide-Liebhaber kennt:
Man hält plötzlich nicht einfach nur Papier in der Hand. Sondern ein kleines Stück Geschichte.

Wurde im alten Ägypten wirklich Einkorn gegessen?
Wenn heute über Urgetreide gesprochen wird, steht Einkorn oft im Mittelpunkt.
Viele bezeichnen es als:
- eines der ältesten Getreide der Menschheit
- ursprünglichen Ur-Weizen
- oder sogar als „Getreide der Pharaonen“
Doch genau hier setzt die alte wissenschaftliche Arbeit an.
Denn die Forscherin Elisabeth Schiemann stellte bereits 1954 eine spannende Frage:
War das Getreide, das man in ägyptischen Gräbern gefunden hatte, wirklich Einkorn?
Oder war es vielleicht etwas ganz anderes?
Eine wissenschaftliche Spurensuche
Heute würde man vermutlich DNA-Analysen durchführen oder moderne Labortechnik einsetzen.
1954 war das noch nicht möglich.
Die Wissenschaftlerin musste deshalb ganz genau hinschauen:
- auf die Form der Körner
- auf die Spelzen
- auf kleine Unterschiede an den Ähren
- auf Strukturen, die man heute vermutlich kaum noch beachten würde.
Und genau das macht diese Arbeit so faszinierend.
Beim Lesen merkt man:
Hier wollte niemand spektakuläre Schlagzeilen schreiben.
Hier wollte jemand wirklich verstehen.

Die überraschende Erkenntnis: Wahrscheinlich war es Emmer
Je genauer die Forscherin die alten Funde untersuchte, desto klarer wurde:
Viele der Körner, die früher als Einkorn eingeordnet wurden, sahen eigentlich viel stärker nach Emmer aus.
Das bedeutet:
Im alten Ägypten spielte vermutlich nicht Einkorn die Hauptrolle — sondern Emmer.
Und plötzlich entsteht beim Lesen ein unglaublich spannendes Bild.
Vor mehreren tausend Jahren:
- wachsen Emmerfelder entlang des Nils
- Menschen mahlen das Korn zwischen Steinen
- backen daraus Brot
- kochen Brei
- brauen vielleicht sogar Bier daraus
Ein Getreide begleitet den Alltag ganzer Kulturen.
Auch die Römer kannten Emmer
Besonders spannend:
Nicht nur die alten Ägypter schätzten Emmer.
Auch im frühen Römischen Reich spielte Emmer eine bedeutende Rolle.
Die Römer nannten ihn „far“.
Daraus entstand später sogar das Wort „Farina“ für Mehl.
Emmer war:
- Brotgetreide
- Soldatennahrung
- Brei
- Kultgetreide
- Teil religiöser Zeremonien
Das zeigt:
Dieses Getreide begleitete die Menschheit über Jahrtausende hinweg.
Nicht als Trend.
Sondern als echtes Lebensmittel.
Und irgendwann geriet vieles in Vergessenheit
Mit der Zeit veränderte sich die Landwirtschaft.
Neue Hochleistungssorten kamen hinzu:
- ertragreicher
- einfacher zu verarbeiten
- besser maschinell nutzbar.
Viele ursprüngliche Getreide verschwanden langsam aus dem Alltag.
Und genau deshalb berühren mich solche alten wissenschaftlichen Arbeiten so sehr.
Sie erinnern uns daran:
Unsere heutigen Lebensmittel haben eine Geschichte.
Eine sehr lange Geschichte.
Alte Getreide waren viel vielfältiger als heute
Etwas hat mich beim Lesen des Sonderdrucks besonders fasziniert.
Die Forscherin beschreibt immer wieder:
Die alten Getreide waren unglaublich vielfältig.
- Nicht alles sah gleich aus
- Nicht jedes Korn war perfekt genormt
- Nicht jede Ähre identisch.

Und genau so erleben wir auch auch heute noch das Urgetreide.
Moderne Hochleistungsweizen wurden über Jahrzehnte stark vereinheitlicht.
Urgetreide dagegen besitzen oft noch:
- Charakter
- Vielfalt
- Eigenheiten
- unterschiedliche Farben
- unterschiedliche Wuchstypen
- ursprüngliche Eigenschaften
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum uns diese alten Sorten heute wieder so faszinieren.
Warum Menschen sich heute wieder nach ursprünglichen Lebensmitteln sehnen
Ich glaube, viele Menschen spüren heute:
Irgendetwas ist uns bei Lebensmitteln verloren gegangen.
Alles soll:
- schneller
- billiger
- perfekter
- standardisierter
werden. Doch Brot war ursprünglich etwas anderes.
Es war:
- echtes Handwerk
- Zeit
- Duft
- Gemeinschaft
- Kultur
- Geschichte
Und genau deshalb erleben Einkorn, Emmer und andere Urgetreide heute wieder eine kleine Renaissance.
Nicht, weil sie modern sind. Sondern weil sie uns an etwas erinnern, das viele Menschen vermissen: Ursprünglichkeit.
Was mich an diesem alten Sonderdruck so begeistert hat
Eigentlich hätte diese wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 1954 längst vergessen werden können.
Doch beim Lesen merkt man:
Wirkliche Begeisterung für Lebensmittel, Landwirtschaft und Geschichte wird niemals alt.
Mich hat besonders beeindruckt, wie vorsichtig und ehrlich damals gearbeitet wurde.
Immer wieder schreibt die Forscherin sinngemäß:
- man müsse genau hinschauen
- frühere Bestimmungen könnten falsch gewesen sein
- manche Dinge lasse sich nicht mit letzter Sicherheit sagen
Und genau diese wissenschaftliche Ehrlichkeit macht die Arbeit bis heute glaubwürdig.

Unser Fazit
Vielleicht liegt genau darin die besondere Faszination von Urgetreide.
Man hält nicht einfach nur Mehl oder Körner in der Hand.
Sondern:
- jahrtausendealte Kulturgeschichte
- alte Landwirtschaft
- Wissen vergangener Generationen
- und ein kleines Stück Ursprung unseres Brotes
Und manchmal beginnt eine solche Reise ganz unscheinbar – Mit einem vergilbten Sonderdruck aus dem Jahr 1954.
Über die Autorin
Stefanie Dehn
Hallo, ich bin Stefanie Dehn aus der Nähe von Heilbronn. Schon immer habe ich mich für gute, regionale Lebensmittel und eine ausgewogene Ernährung interessiert.
Als ausgebildete Ernährungsberaterin liegt mir dabei besonders das Urgetreide am Herzen. Schon lange habe ich meine Küche komplett auf Urgetreide umgestellt und bin von den wertvollen Inhaltsstoffen, der guten Verträglichkeit und dem tollen Geschmack begeistert.
Mein Wissen über Urgetreide – wie es im Körper wirkt, welche Vorteile es dir bringt, wie du es anwendest und was du alles daraus machen kannst – all das möchte ich gerne mit euch teilen.








